09 November 2015

17. Treffpunkt Erzählcafé

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Beim 17. Treffpunkt Erzählcafé drehten sich die Erinnerungen der Gäste rund um das Thema „Fernseher“. Nach dem 2. Weltkrieg entwickelte sich dieser in den 50er Jahren in Deutschland zunehmend zum Statussymbol.

Im Juni 1950 wurde in München die "Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland" (ARD) gegründet. Am 1. Weihnachtstag 1952, um 20.00 Uhr war es dann schließlich soweit: es fiel der Startschuss zu einem regelmäßigen Fernsehprogramm. Zu diesem Zeitpunkt gab es in Deutschland rund 4000 TV-Geräte. Zunächst war das Programm auf allabendlich zwei Stunden Sendezeit von 20.00 – 22.00 Uhr ausgelegt. Aufgrund der hohen Anschaffungskosten von damals rund 1000 DM war den 22 cm x 22 cm großen Bildschirm für Otto Normaltverbraucher ein Luxusgut. Zum Vergleich: der monatliche Durchschnittsbruttoverdienst eines Arbeiters lag bei knapp 400 DM. Erstes wichtige Großereignisse, das live einem Massenpublikum zugänglich gemacht wurden, war die Krönung Königin Elizabeths II. 1953.

Und dann, pünktlich zur Fußballweltmeisterschaft, im Juni 1954, war es auch in Krunkel soweit: Vinzens Becker stellte in seiner Gaststätte „Hochs“ den ersten Fernseher in der Ortsgemeinde auf. Das gute Stück wurde auf einem hohen Gestell aufgebaut und der Gastraum mit Stuhlreihen ausgestattet. Fortan pilgerten Männer, Frauen und Kinder aus dem ganzen Kirchspiel nach Krunkel zum Fernsehen. Hans-Joachim Kulenkampff war mit seiner Show „Wer gegen wen?“ der unumstrittene Liebling der Frauen. Für die Kinder war nicht nur das Fernsehen ein besonderes Ereignis. Mindestens genauso wichtig war, dass sie bei Hochs dann eine Raspa (Kult-Orangenlimonade der 50er Jahre) trinken durften. In einem Punkt war man sich allerdings einig, schwangere Frauen sollten sich von dem Fernseher fernhalten, die Strahlung sei zu gefährlich.

Im April 1955 wurde in Deutschland der 100.000 Fernsehteilnehmer registriert. Danach wuchs deren Zahl jedoch wesentlich rascher und im Oktober 1957 wurde die Millionengrenze überschritten. Am 17. Februar 1955 kam die Sendung unter dem Titel "Mainz, wie es singt und lacht" das erste Mal in die deutschen Wohnzimmer.
Ende der Fünfzigerjahre gab es dann bereits ein fünfstündiges Fernsehprogramm pro Tag.
Gäste des Erzählcafés erinnerten sich, dass im Februar 1959 der erste Teil der Romanverfilmung "So weit die Füße tragen" über die noch schwarz-weißen Bildschirme flimmerte und sie als Kinder mitgucken durften. Dieser Sechsteiler war der erste durchschlagende Erfolg einer Fernsehserie im damals noch jungen Deutschen Fernsehen und arbeitete ein Stück Zeitgeschichte auf. Nach dem gleichnamigen Roman von Josef Martin Bauer zeigte er den Leidensweg des ehemaligen Wehrmachts-Offiziers Clemens Forell.

Ein weiterer Meilenstein der Fernsehgeschichte war die Einführung des Farbfernsehens im Jahr 1967: Mit einem Knopfdruck des regierenden Bürgermeisters Willy Brandt startete am 25. August 1967 auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin offiziell das Farbfernsehen in Deutschland.

Zum Abschluss des gemütlichen Nachmittags sangen alle Gäste den Kanon „Abendstille überall“.

Der nächste Treffpunkt Erzählcafé findet am 14. Dezember 2015 statt.

 

 

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